Cleebergs Trainer Andreas Wirth lobt Benedikt Heinz in höchsten Tönen – 20-Jähriger Spielmacher mit Torinstinkt
Thomas Suer. „Im Winter hat er innerhalb von fünf Minuten dreimal gefragt, ob er das Trikot mit der Nummer zehn haben kann. Weil ich wusste, dass er sowieso noch zehnmal zu mir kommen würde, habe ich ihn erstmal auflaufen lassen. Irgendwann habe ich ihm dann gesagt, dass er die „Zehn“ haben kann.“ Andreas Wirth, Trainer des Gruppenligisten FC Cleeberg, ist die Hartnäckigkeit seines Spielers Benedikt Heinz gewöhnt, was dessen fußballerischen Ehrgeiz anbetrifft, und geht dementsprechend gelassen damit um.
Und Wirth hat seine Entscheidung, dem 20-Jährigen die Spielmacherrolle hinter den Spitzen zu übertragen, sicher nicht bereut, schließlich ezielte der gebürtige Rechtenbacher in der Restrunde bereits sieben Treffer und hat damit einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran, dass die Cleeberger in diesem Zeitraum einen satte Punkteausbeute von 19 Zählern zu verzeichnen haben und bis auf Rang fünf geklettert sind.
Eine Entwicklung, die nach dem Abgang von Mittelfeldregisseur Andre Böttner Ende letzten Jahres nicht unbedingt abzusehen gewesen war. Doch Heinz füllte die entstandene Lücke exzellent und hat offenbar seine ideale Position gefunden, wie auch sein Coach untermauert: „Benedikt nutzt den Freiraum hervorragend. Er ist trickreich, schnell, taktisch sehr weit und mit einem präzisen Schuss ausgestattet.“
Obwohl der Gelobte inzwischen zum bestem FC-Goalgetter avanciert ist, nimmt Heinz innerhalb der Mannschaft keine Ausnahmestellung ein. Gleichwohl erntet er vermehrt die Anerkennung seiner Mitspieler, auch wenn die ihn mit seiner Treffsicherheit hochzunehmen versuchen, wie der 20-Jährige mit einem Augenzwinkern berichtet: „Die Jungs machen Späße darüber, wenn meine Tore besonders sehenswert waren. Ansonsten hat sich nichts verändert.“ Heinz ist nicht der Typ, der die Bodenhaftung verliert, sondern in den Augen seines Trainers Wirth vor allem abseits des Platzes „zurückhaltend in seiner Art und eher ein stiller Vertreter. Andererseits ist er sehr beliebt, weiler einen trockenen Humor hat. Wenn er beispielsweise von Steffen Vieh mann oder Sebastian Kaiser im Scherz plump angemacht wird, dann sitzen seine Konter.“
Im inzwischen dritten Jahr ist Heinz längst so fest integriert beim Tabellenfünften, dass er sich im Moment nur schwer vorstellen kann, den Verein zu wechseln. Das gilt, obschon in Cleeberg mit der Gruppenliga in Sachen Spielklasse womöglich bereits das Optimum erreicht ist: „Es gibt da kein direktes Ziel für mich. Erfolg und Spaß sind wichtig. Das kann meinetwegen hier so weitergehen, und dann ist auch kein Ende absehbar. Vor dieser Saison hatte ich ein Angebot vom VfB 1900 Gießen, aber beim FC weiß ich einfach, was ich habe.“
Umschulung zum ErzieherWährend sportlich also demnach keine Veränderung anzustehen scheint, beschreitet der 20-Jährige beruflich einen neuen Weg, der nicht unbedingt alltäglich ist: Vom gelernten Kfz-Mechatroniker zum Erzieher. „Ich war zwar schon als Kind ein Autofan, das Schrauben daran war aber nicht so mein Ding“, beschreibt Heinz die Umorientierung, in der er durch seinen im Kinderheim Zoar in Hüttenberg abgeleisteten Zivildienst bestätigt fand. „Ich kann gut mit Kindern“, lautet seine Erkenntnis daraus, an die sich nun als Konsequenz die Erzieherausbildung in Wetzlar anschließen wird.
Die Frage, ob bei der Kombination aus leidenschaftlichem Fußballer und angehendem Pädagogen nicht eine Trainertätigkeit im Nachwuchsbereich nahe liegen würde, verneint Heinz jedoch. „Das ist nichts für mich. Ich bin ein schlechter Zuschauer.“ Schade eigentlich, denn so dürfte es ein Geheimnis bleiben, ob der Trainer Heinz ebenso gelassen mit einem hartnäckigen Spieler umgehen würde wie es Coach Andreas Wirth mit dem 20-Jährigen tat, als der sich mit Beharrlichkeit das Trikot mit der Nummer zehn zu sichern versuchte.
Quelle: Giessener Anzeiger