(SW) Das Fazit vorab: Ich bewundere Mehmet Scholl. Für seine Karriere auf und neben dem Platz und höre gerne seine Kommentare. In einem Punkt muss ich ihm allerdings vehement widersprechen. Teambuildingmaßnahmen sind kein neumodischer Kram, sondern ein unvergleichliches Erlebnis.
Auch in diesem Jahr wurde die C Jugend durch die Kooperation mit dem FC Cleeberg neu zusammengewürfelt. Spieler der alten C1, der alten C2, der D Jugend aus Waldsolms, der D Jugend aus Cleeberg und weiteren vier Spielern aus Wetzbachtal ergänzen sich zur neuen C Jugend.
Ich hatte den Eindruck, dass sich die Gruppe sehr schnell gefunden hat, die Integration und der gegenseitige Respekt war schnell vorhanden. Was lag also näher, als dies durch eine Teambuildingmaßnahme noch zu verstärken.
Die C Jugend der SG Waldsolms nutzte ihr spielfreies Wochenende und machte sich auf nach Idstein zum Hochseilgarten „Idworx“.
„Der Klettergarten in Wetzlar liegt doch näher“, höre ich hier einige sagen. Geographisch stimmt das, von einem Klettergarten ist das Gelände jedoch so weit entfernt, wie der HSV von seiner letzten Meisterschaft.
Zur Einstimmung gab es eine „einfache Übung“, welche das Konzept des Hochseilgartens Idstein am besten umschreibt. Die ganze Gruppe (da noch mit Reinhold und mir) stellte sich auf einen Rundbalken. Vor uns und hinter uns ein 500 Meter Abhang (können auch mehr oder weniger gewesen sein). Nun galt es die Gruppe nach Geburtsmonat zu sortieren. Klasse. Ich stand ganz links und habe im April Geburtstag. Der Balken darf nicht verlassen werden. 500 Meter!! Wir erinnern uns. Und hier zeigte sich bereits, dass die Gruppe sich schon gefunden hat. Schnell, präzise und vor allem durch Reden wurde die Übung bewältigt. Meine Einschätzung, dass die Gruppe sich schon gefunden hat, wurde hier bestätigt. Coach Michael bestätigte diesen Eindruck. Laut seiner Aussage gehören wir zur Top Five dieser Übung.
Die Gruppe verinnerlichte aber jetzt schon, worauf es bei den anderen Übungen ankommen sollte. Teamarbeit, gegenseitiges Helfen und Sichern und Reden, Reden, Reden.
Das erste Element, welches in Angriff genommen wurde, war das Kings X. Drei Teilnehmer (fest miteinander mit 60 cm langen Bandschlingen verbunden) bewältigen den Aufstieg über Leiter, Masten (mit Hilfe von Krampen) über eine Engstelle zur Plattform. Kommunikation und permanenter Austausch sind die Schlüsselwörter für den Aufstieg. Nach dem Aufstieg folgt das sanfte Abgleiten durch das Einharken und rückwärts fallen lassen. Die Gruppe am Boden sichert. Kein Bunjee Sprung oder ähnlicher Quatsch, sondern das Vertrauen zu seinen Mitstreitern steht hier im Vordergrund.
Mit 18 Kindern waren wir angereist und 18 Kinder bewältigen das Kings X. Leider konnten Reinhold und ich diese Übung nicht mitmachen, da wir noch eine dritte Person benötigt hätten (Glück gehabt!!).
Danach kam die fliegende Brücke, der Inbegriff der Stationen im Hochseilgarten für die mannschaftliche Geschlossenheit. Die einzelnen, in 6 Meter Höhe schwebenden Balken werden erst dann zu einer stabilen Brücke, wenn sie von den anderen, am Boden verbliebenden Teilnehmern durch lange Seile stabilisiert werden.
Es ging nicht jeder über die Brücke, aber auch das gehört dazu, dass man seine Stärken und Schwächen erkennt und dem anderen durch das Absichern hilft.

Zum Abschluss die Königsübung. „Pole“. Ein 10 Meter hoher Mast mit einer runden Plattform, nicht größer als ein Pizzateller. Hier gehört eine Menge Mut dazu, sich oben auf dem Mast aufzurichten.
Nichts zum Festhalten, man zittert, aber der gewonnene Kampf mit sich selbst wird durch den Ausblick belohnt. Mit Jubelschrei macht man einen Schritt nach vorne und lässt sich von den Sicherungsteams zu Boden bringen.
Es ist schwer die einzelnen Übungen und das Gruppengefühl in diesem Text zu beschreiben und eigentlich doch nicht. Ich habe einige Passagen aus der Homepage übernommen, aber für das Beschreiben dieses Events haben wir ja unseren Marlin: „ Jaaahhh, wie geil ist das denn“. Besser hätte ich diesen Tag in einem Satz nicht zusammenfassen können.
Den Abschluss bildete ein gemeinsames Grillen auf dem wirklich toll angelegten Gelände des Hochseilgartens. Hier konnte ich endlich auch wieder zur Gruppe dazu stoßen. Alle Teilnehmer sollten noch einmal in kurzen Sätzen (einzige Vorgabe, es sollten die Worte „ich“ und „wir“ darin vorkommen) ihre Erlebnisse beschreiben. Hier müssen wir noch etwas üben. „ Ich fands gut“ gehörte bei fast allen Teilnehmer zum Standardeinleitungssatz. Erinnerte mich an meine Schulzeit und meine ersten Versuche, Texte in Englisch zu verfassen. „ I think that..“ So fing jeder Satz an. Erst als ich dies geändert habe, wurden die Noten besser. Aber daran arbeiten wir beim nächsten Mal.
Ein toller Nachmittag mit vielen Eindrücken, tollen Teamerlebnissen, aber auch der Erkenntnis, zu was jeder einzelne in der Lage ist, wenn er die Unterstützung des ganzen Teams und die Anfeuerung und ehrliche Freude der anderen spürt, wenn eine Übung geschafft wurde.
Mir zeigt es, dass ich mit meinen Eindrücken nach zwei Monaten Training und Spielen nicht ganz daneben lag. Hier wächst ein Team heran. Jugendfussball besteht nicht immer nur aus Siegen und Platz 1. Mir war und ist es wichtig, dass ich den Kindern etwas fürs Leben mitgeben kann. Miteinander, Ehrlichkeit, dem Schwächeren helfen, Füreinander einstehen. Alles das ist wichtiger, als Aufstiege, Platz 1 und Siege. Wenn dies als „Abfallprodukt“ bei der ganzen Sache noch dabei herauskommt, dann kann es eine tolle Saison werden.
Teilgenommen haben: Roman, Leo, Jona, Max S., Max H., Hendrik Ha., Hendrick He., Michael, Martin, Kim, Lara, Nys, Marlin, Phillipp, Nino, Paul, Justin und Lucas H.
Danken möchte ich den Fahrern Werner, Agnes, Erika, Uwe und Udo.
Außerdem einmal Reinhold für die perfekte Organisation (wie immer) und den Coaches Michael und Joachim vom Hochseilgarten Idstein. Für weitere Infos lohnt sich ein Blick auf www.idworx.de
PS: Sollte dieser Text von Kindern des Jahrgangs 2000/2001 gelesen haben, die Spaß am Fußball haben und eine tolle Gruppe suchen, schaut einfach mal beim Training vorbei. Vielleicht findet ihr Gefallen an diesem tollen Team.
Bericht: Steffen Watz
