(TSM) Lara Schmidt aus Cleeberg ist 16 Jahre alt und eine erfolgreiche Fußballerin. Sie hat in Ihrer noch jungen Karriere schon einiges erlebt. Zuletzt mit der U16 Nationalmannschaft stand sie beim Nordic-Cup in Norwegen im Finale und hat für die Juniorinnen des DFB bereits acht Länderspiele absolviert. Außerdem wurde sie vor kurzem mit den C-Junioren der TSG Wieseck Hessenmeister. Jetzt steht sie vor einem neuen großen Schritt, denn sie wechselt nach den Sommerferien in die Jugend des Bundesligisten „Frauenfußball Universitätssportverein Jena“. Im Interview erzählt sie von den Erfahrungen bei der Nationalmannschaft und verrät, was sie zu dem Schritt ins Fußball-Internat nach Jena bewogen hat.
Lara, du hast vor über 10 Jahren bei den Bambini des FC Cleeberg angefangen Fußball zu spielen. Hast du damals schon gewusst, dass Fußball genau deine Sportart ist?
Lara Schmidt: Ja, Fußball hat mir schon immer Spaß gemacht. Ich habe aber auch mal Handball ausprobiert, aber damit war es dann auch ziemlich schnell wieder zu Ende.
Was bedeutet dir dein Heimatverein? Was ist daran das Besondere für dich?
Damit verbinde ich natürlich sehr viel, dort habe ich fußballerisch alles gelernt, was ich heute kann. Und wenn ich zuhause auf den Sportplatz gehe, dann schaue ich mir die Spiele an und habe das Gefühl, mit dem Verein verwachsen zu sein. Ich treffe meine alten Freunde und kann mit ihnen kicken.
Die Jugend-Trainer beim FC Cleeberg sind sehr engagiert und stehen dafür, neben dir noch mehrere große Talente wie die Itter-Zwillinge oder Jon-Patrick Strauss hervorgebracht zu haben. Hättest du das selbst für möglich gehalten?
Das ist echt krass, was da entwickelt wurde. Wenn man sieht, was für Talente jetzt hier rauskommen, das hätte niemand hier in Cleeberg gedacht. Aber wenn man sieht, was mein Vater Wolfgang Schmidt, der alle die, die du genannt hast, trainiert hat und auch Dirk John, der zusätzlich auch beim DFB Stützpunkt in Aßlar Trainer ist, da bewirkt haben, das ist schon eine große Qualität. Ohne diese Trainer hätten wir es sicher nicht soweit geschafft, wir wären bestimmt gute Fußballer geworden, hätten den jetzigen Level aber sicherlich nicht erreicht.
Du hast später in der E- und D-Jugend tolle Erfolge mit deinem Heimatverein feiern dürfen und wurdest im DFB Stützpunkt gefördert. Wann hast du gemerkt, „da geht für mich noch mehr“? War das, als du in die Hessenauswahl berufen wurdest?
Also am Anfang in der E- und D-Jugend, da habe ich das noch nicht so realisiert, das war ganz normal, ich habe einfach Fußball gespielt. Aber auch, als ich dann in die Hessenauswahl kam, hätte ich nie gedacht, dass ich mal in eine Nationalmannschaft komme. Das war für mich ein Traum, aber ich hätte das damals nie gedacht, dass ich das schaffen kann. Das war auch zuerst ungewohnt vom Tempo her und ich musste mich erst an das Niveau dort gewöhnen. Dann wurde ich nach dem Länderpokal in die U15 Nationalmannschaft berufen. Ich habe dann damit begonnen, noch mal viel professioneller zu werden.
Du bist ja gerade mit den C-Junioren der TSG Wieseck Hessenmeister geworden. Wie wichtig ist es für dich gewesen, mit den Jungs zu kicken?
Mit den Jungs zu kicken war natürlich sehr wichtig, einfach um auch robuster zu werden und natürlich ist bei den Jungs auch das Spieltempo viel höher als bei Mädchenmannschaften. Und ich habe auch gelernt, selbstbewusster zu werden, auch außerhalb des Platzes.
Jetzt wo du nach Jena gehst, ist diese Zeit mit den Jungs zu spielen ja wahrscheinlich vorbei?
Ja zum Teil schon, aber dort gibt es auch eine Zusammenarbeit mit den Club Carl-Zeiss Jena und das war mir auch sehr wichtig, denn ich kann dort ganz flexibel auch weiter mit Jungs trainieren und spielen, wenn es zeitlich besser passt.
Wie läuft es mit deinen Mitspielerinnen in der Nationalmannschaft? War es leicht für dich, dort klar zu kommen?
Am Anfang in der U15 waren wir alle noch total schüchtern, aber mittlerweile ist das wie mit ganz normalen Mitspielerinnen und Freundinnen. Wir verstehen uns alle total gut, auch wenn wir zum Teil auch Konkurrentinnen sind. Aber davon merkt man eigentlich nichts.
Beim DFB läuft ja alles sehr professionell ab und mit Ulrike Ballweg hast du neben anderen Trainerinnen ja schon eine der bekanntesten Deutschen Frauen-Trainerinnen gehabt. Wie ist das für dich, wenn du Training mit der Nationalmannschaft hast?
Man hat einfach einen Riesenrespekt vor den Trainerinnen, auch wenn man sieht, was die schon alles erreicht haben. Man merkt dann auch bei einem selbst, dass noch viel Luft und Potential nach oben ist. Ulrike Ballweg und die anderen Trainerinnen sind total nett und überhaupt nicht abgehoben. Natürlich versucht man dann als Spielerin, einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen.
Welche Spielerin in der A-Nationalmannschaft findest du gut? Hast du eine Lieblingsspielerin?
Dzsenifer Marozsán finde ich super, sie ist der „Ronaldo“ unter der Frauen, spielerisch sehr gut und man kann viel von ihr abgucken, auch wenn sie jetzt nicht meine Position als Innenverteidigerin spielt. Da finde ich Saskia Bartusiak sehr gut, die auch auf meiner Position spielt.
Was war das für ein Gefühl, zum ersten Mal für Deutschland spielen zu dürfen?
An mein erstes Länderspiel gegen Dänemark kann ich mich gut erinnern, da war eine Riesenkulisse und ich war sehr aufgeregt. Als ich dann gehört habe, dass ich eingewechselt werde, da hatte ich dann auch schon mal vor Freude Tränen in den Augen. Meine Eltern waren auch da und das war ein Riesenmoment für mich, den ich nie vergessen werde.
Du warst in der U15 und U16 beim DFB und hast jetzt acht Jugend-Länderspiele gemacht. Ihr habt das Endspiel des Nordic-Cup gegen Norwegen zwar knapp verloren, aber es war doch insgesamt ein gutes Turnier. Wie ist der Nordic-Cup aus deiner Sicht gelaufen?
An der Endspielniederlage musste ich doch ziemlich lange knabbern, aber wenn ich zurückblicke, haben wir doch eine sehr starke und dominante Vorrunde gespielt. Die Norwegerinnen waren am Ende ein starker Gegner, der über die Mannschaftsleistung und eine gute Taktik gekommen ist, ohne uns technisch überlegen gewesen zu sein.
Norwegen muss auch eine sehr gute Jugendarbeit haben, die treffen ja auch mit der A-Mannschaft des DFB seit Jahrzehnten in großen Spielen aufeinander. Vielleicht triffst du die eine oder andere Spielerin von denen später wieder?
Ja, aber dann hoffe ich natürlich, dass es anders ausgeht. (lacht)
Wie geht es jetzt mit der U17 weiter?
Ich habe eine Einladung zum U17 Vier-Länder Turnier in Österreich bekommen, wo wir gegen Rumänien, die Schweiz und Österreich spielen. Das findet Ende August statt und ich freue mich schon sehr darauf.
Wie bist du darauf gekommen zum FF USV Jena zu gehen. Haben die sich bei dir gemeldet?
Als ich damals zur U15 Nationalmannschaft kam, hatte ich schon ein Angebot von Jena, da bestand aber noch nicht das Interesse zu wechseln. Aber jetzt kam dann der Gedanke, den Sprung von den Jungs zu den Mädchen zu machen mit dem Ziel, in die Frauen-Bundesliga zu kommen. Dann haben wir den Kontakt wieder aufgenommen. Es kam zum Probetraining, ich habe mir das alles angeschaut und Jena bot mir mit dem Internat, der Schule und Trainingsbedingungen das für mich beste Komplettpaket.
Freust du dich schon auf das Fußball-Internat und kennst du schon Spielerinnen, die dort auch sind?
Ja, da sind schon einige Spielerinnen, die ich vom Länderpokal oder auch von der Nationalmannschaft her kenne.
Und wie läuft das dann dort mit der Schule?
Da wird mir organisatorisch total viel abgenommen, die Betreuer organisieren das mit der Schule und den Fußball-Terminen und stimmen alles optimal für mich ab. Und wenn man mal Probleme mit der Schule hat, wird individuelle Nachhilfe angeboten.
Du bist erst 16 und gehst jetzt schon ein bisschen in die weite Welt hinaus. Wie fühlt sich das an?
Ja klar ist das nicht einfach, die Entscheidung habe ich natürlich mit meinen Eltern abgestimmt, aber am Ende höre ich da auf mein Bauchgefühl und ich habe die Entscheidung für den Schritt selbst getroffen.
In welcher Liga wirst du mit Jena spielen?
Es ist geplant, für ein Jahr bei den B-Juniorinnen in der U17 Bundesliga zu spielen. Danach würde ich dann direkt in den Kader der ersten Mannschaft stoßen, da es bei den Mädchen keine A-Jugend gibt.
Die folgende Frage hast du eigentlich schon beantwortet. Ist die Frauenbundesliga dein Ziel?
Ja, das ist mein sportliches Ziel und da will ich auch unbedingt hinkommen.
Deine Eltern sind auch Sportler durch und durch und dein Vater Wolfgang Schmidt ist ein erfolgreicher Amateur- und Jugend-Trainer. Wie wichtig ist für dich die Unterstützung durch deine Eltern?
Natürlich sind beide Elternteile sehr wichtig für mich und sie unterstützen und tun alles für mich. Sie sind die wichtigsten Personen in Sachen Fußball aber auch überhaupt für mich. Mein Papa hat mich früher trainiert, was der Grundstein für meine bisherigen sportlichen Erfolge war. Er gibt mir vor jedem Spiel immer noch wertvolle Tipps. Und auch meine Mama ist da sehr wichtig für mich. In Norwegen waren meine Eltern auch dabei, haben mich unterstützt und die Spiele angeschaut.
Lara, ich bedanke mich für das Interview und wünsche dir viel Erfolg, alles Gute und vor allem, dass du verletzungsfrei bleibst.
Vielen Dank.
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Das Interview mit Lara Schmidt wurde geführt von TSM, FC Cleeberg, am 05.08.2016