Ordentlicher erster Hälfte folgt schwache Zweite. Pierrets hält Michelbach im Spiel. Torschützen: Böttner & Knapp

FC Cleeberg vs. TSV Michelbach 2:1 (1:0) – Die Zuschauer in Cleeberg sahen zwei grundverschiedene Halbzeiten. In der Ersten war der FCC dominant, erspielte sich einige hundertprozentige Chancen und hatte Michelbach im Sack. Die Gäste hatten nach einer halben Stunde die erste und vorerst einzige gefährliche Aktion. In der zweiten Halbzeit war das wie abgeschnitten. Die, bei einigen jüngeren und mittleren Semestern, bekannte Musikrichtung „Minimal“ passte nicht nur im wörtlichen Sinne zum minimalen Spiel, dass Cleeberg dann noch bot, sondern auf per Definition: „Minimal“ zeichnet sich durch verhältnismäßig langsames Tempo, die Verwendung weniger (belebender) Elemente und einen minimalen Aufbau aus. Als wäre es für die Böttner-Elf erfunden worden. Bis auf das sehenswerte Tor, eine Vorstellung, die eine ganze Klasse schlechter war, als die der ersten Hälfte. Aber der Reihe nach:

0,2 opm (opportunities per minute) in einer Halbzeit sind ein sehr guter Wert! Weniger überzeugend ist aber, dass aus diesen (nach Adam Riese) neun Gelegenheiten nur ein Tor heraus sprang. Gleich die erste hatte es in sich und Tobias Sinkel hat schon schwerere Dinger mit allen möglichen Körperteilen gemacht (siehe Langenaubach: Knie). Den butterweich zurückgelegten Ball von Johannes Kaiser semmelte er allerdings über das Tor (9.). Kurze Zeit später erzielte Andre Böttner nach Vorlage von David Pizzini ein Tor, dem der Schiri aber die Gültigkeit absprach (12.). In der Folge spielten sich Böttner, Sinkel, Bause und Pizzini in verschiedenen Konstellationen vor das Michelbacher Tor. Aber entweder verfehlten die Abschlüsse ihr Ziel knapp oder Gästekeeper Pfeffer wurde endgültig warm geschossen. Die einzige Michelbacher Chance hatte Moser in der 31. Minute, nachdem er von Reinhard per Flanke bedient wurde. Seinen Versuch klärte aber Alexander Bernhardt vor der Linie. Direkt im Anschluss war wieder der FCC am Drücker… und wie! Erst vergab der früh eingewechselte Kai-Steffen Knapp noch die vermutlich beste Chance, als er eine Flanke von Sebastian Kaiser freistehend eigentlich nur noch einschieben musste. Der Ball versprang allerdings und flog über das Tor. In der 38. Minute war es dann soweit, mit dem ersten Treffer des Spiels. Eine Standard-Situation musste dafür herhalten. Johannes Kaiser war nach schönem Solo an der 16er-Grenze gefoult worden. Andre Böttner legte sich daraufhin den Ball zurecht und zirkelte ihn in’s kurze Eck (38.). Unhaltbar… wie es der Keeper im Fallen mit einem langezogenen „Scheeeiße“ bestätigte. Auch die letzte Gelegenheit hatte Cleebergs Spielertrainer. Auf Höhe des Elfmeterpunkts kam er zum Abschluss…allerdings mit Rechts. Eine, in diesem Fall, zu große Entfernung für seinen schwachen Fuß.

Wie bereits angedeutet, entwickelte sich in der zweiten Hälfte eine zerfahrene Partie, in der sich Michelbach mehr Chancen erspielte. Dass Fynn Pierrets Offensiv ein Klasse-Spieler ist, weiß, wer sich in der Gruppenliga Gießen/Marburg auskennt. Wer es nicht wusste, bekam diverse Kostproben. Nr. 1 in der 55. Minute, als er drei Mann aussteigen ließ und zum Abschluss kam. Der war aber noch zu ungenau. Nur drei Minuten später gab es Freistoß für die Gäste in allerfeinster Lage. Wie schon öfter im professionellen Fussball geschehen, flog dieser Versuch gegen die Hand eines Spielers, der in der Mauer stand. Und wie so oft, entschied der Schiedsrichter deshalb auf Verwarnung und Elfmeter und sah sich diskussionsbereiten Cleebergern gegenüber. Es half alles nichts. Pierrets vollendete sicher zum 1:1-Ausgleich. Mit der vorerst einzigen zwingenden Aktion konnte Cleeberg aber wieder in Front gehen. Daniel Mangi spielte einen Freistoß aus dem Halbfeld an den zweiten Pfosten, wo ihn Kai-Steffen Knapp in Empfang nahm und sehenswert unter die Latte zimmerte (63.). Ein eher harmloser Seitfallzieher von Pizzini brachte danach keinen Erfolg (77.). Die komplette Michelbacher Mannschaft kämpfte trotz des erneuten Rückstands aufopferungsvoll und hatte durch einen Kopfball von Hauser (81.) und nach einem Freistoß mit anschließendem Gestochere vor dem Cleeberger Tor (90.) gute Gelegenheiten auf den erneuten Ausgleich. Die beste Gelegenheit allerdings wurde Pierrets genommen. Nachdem er in der eigenen Hälfte durchstartete, war er von der Cleeberger Abwehr nicht mehr zu halten. Erst kurz vor dem 16er „opferte“ sich Misgaiski aus Cleeberger Sicht. Nachdem er den Ball nicht erreichen konnte, zog er die Notbremse, die Cleeberg wohl den Sieg sicherte. Dem sonst teilweise unglücklich agierenden Schiedsrichter Moukhtari blieb in diesem Fall nichts anderes übrig, als den roten Karton zu ziehen. Die folgende Unterzahl wirkte sich aber nicht mehr negativ aus. Cleeberg hatte durch den eingewechselten Jannik Hesse sogar eine letzte Chance. Nach einem Flankenlauf von Böttner wurde sein Versuch aus kurzer Distanz allerdings geblockt.

Fazit: Das hätte in’s Auge gehen können! So gut die erste Hälfte auch war, so durcheinander war die Zweite. Da bestätigten sich die Befürchtungen, wie ein Spiel gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten laufen kann. Nach zwei 1:0s, der dritte minimale Sieg in Folge für die Böttner-Elf.

Ausblick: Am nächsten Wochenende ist der FCC spielfrei. Am darauffolgenden Sonntag, den 6. April ist dann der wiedererstarkte VfB Marburg zu Gast.

Stenogramm:

FC Cleeberg: Misgaiski; Mangi, Sinkel, J. Kaiser, Schimpf, S. Kaiser, Theisinger (28. Knapp, 83. Weber), Bause, Böttner, Pizzini (79. Hesse), Bernhardt

TSV Michelbach: Pfeffer; Ternava, Hauser, Aksöz, Pierrets, Moser, Scholvien, Ertl, Reinhard, Zargarsada (76. Barcin), Ritterpusch

Schiedsrichter: Bagdad Moukhtari (Kelsterbach); Assistenten: Lucas Schuhmacher & Kevin Hammerschlag

Tore: 1:0 Böttner (38.), 1:1 Pierrets (HE, 58.), 2:1 Knapp (63.)

Gelbe Karten: S. Kaiser, Mangi, Sinkel, J. Kaiser, Bause (Cleeberg) – Reinhard, Ternava (Michelbach)

Rote Karte: Misgaiski (82. wg. Notbremse)